Menschen, die unter starkem Sodbrennen bzw. der so genannten Refluxkrankheit (im Englischen auch GERD = gastroesophageal reflux disease genannt) leiden, haben ein erhöhtes Risiko an Asthma bronchiale zu erkranken. Diese Gefahr lässt sich allerdings verringern, indem Betroffene ihr Sodbrennen durch eine Änderung des Lebensstils unter Kontrolle bringen. Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne. Etwa 50 bis 90 Prozent der Asthmatiker sind von der Refluxkrankheit betroffen, berichtet Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP und Leiter der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft im nordrheinwestfälischen Schmallenberg. Bisher wussten wir nicht, ob Asthma zu mehr Sodbrennen führt oder ob es andersherum ist. Jetzt haben Wissenschafter von der Duke University in Experimenten mit Mäusen nachgewiesen, dass Sodbrennen tatsächlich die Entwicklung einer asthmatischen Erkrankung vorantreiben kann (siehe Online-Vorabveröffentlichung am 17. Juli 2008 im European Journal of Clinical Investigation (2008), Band 38/8, Seite 596-602).
Immunsystem entgleist
Bei Patienten mit Reflux wird der Übergang zwischen Magen und Speiseröhre nicht vollständig durch den Pförtnermuskel abgeriegelt, so dass scharfe Magensäure beim Aufstoßen ungehindert in die Luftröhre aufsteigen kann, was die Schleimhäute reizt und stechende Schmerzen verursachen kann. Vor allem führen kleinste Tröpfchen Magensäure, die von den Betroffenen beim Aufstoßen eingeatmet werden, zu Veränderungen des Immunsystems , wie sie für asthmatische Erkrankungen typisch sind, betont Köhler. So haben Shu Lin und seine Mitarbeiter in Versuchen mit Mäusen festgestellt, dass das Einatmen von Magensäuretröpfchen über acht Wochen hinweg einen Anstieg von T2-Helfer-Zellen hervorruft, die charakteristischerweise bei Asthma in erhöhten Mengen vorliegen. Im Gegensatz dazu kam es im gleichen Zeitraum nach dem Einatmen von verschiedenen Allergieauslösern (Allergenen) nicht zu einer solch einseitigen Reaktion: Wie man in Kontrollversuchen beobachtet hat, stieg nach dem Inhalieren von Allergenen neben den T2-Helfer-Zellen gleichzeitig auch die Zahl der T1-Helfer-Zellen an. Das heißt: Während die allergische Reaktion, die über das Einatmen der Allergene ausgelöst wurde, weitestgehend ausgeglichen war, kann nach chronischem Inhalieren von Magensäure das Immunsystem auch entgleisen, was das Risiko für die Entwicklung eines Asthmas bronchiale erhöht, warnt Köhler.
Schweres Essen, Kaffee und Alkohol meiden
Sodbrennen wird durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht begünstigt. Einen solchen Lebensstil kann man aber ändern, betont Köhler. Betroffene können häufiges Sodbrennen durch einfache Maßnahmen verhindern und damit die Gefahr verringern, zusätzlich an Asthma zu erkranken. Dazu gehört: Kleinere Mahlzeiten und nicht zu spät also mehrere Stunden vor dem Zubettgehen essen. Normalgewicht halten und beim Schlafen darauf achten, dass der Kopf leicht erhöht liegt. Kaffee und Alkohol besser meiden, zumal beide Stimulanzien auch eine Entspannung des Pförtnermuskels fördern, was die Refluxkrankheit begünstigt, rät Köhler.
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